Paul Maar - Leben & Werk

 

Paul Maar wird am 13. Dezember 1937 in Schweinfurt geboren. Als er drei Monate alt ist, stirbt die Mutter. Die Kindheit ist überschattet durch den frühen Verlust der Mutter und die Not der Kriegs- und Nachkriegszeit.

Der Vater heiratet wieder und wird kurz darauf als Soldat eingezogen. Paul Maar wird ihn lange Zeit nicht wiedersehen. Mehrere Jahre lebt er in einem kleinen Dorf in Mainfranken bei seinen Großeltern. Der Großvater erzählt in seiner Gastwirtschaft Geschichten für die Gäste, die er zum Teil über Wochen auszudehnen versteht. Paul Maar bekommt durch ihn ein erstes Gefühl dafür, wie man reale Ereignisse zu einer interessanten Geschichte verarbeiten kann. Der Großvater, ein warmherziger und freundlicher Mensch, wird zur Vaterfigur. Er ermutigt Paul Maar, eigene Geschichten in ein Heft zu schreiben.

 
 

Nach langer Kriegsgefangenschaft kehrt der Vater zurück. Um dem Sohn den Besuch einer höheren Schule zu ermöglichen, zieht die Familie wieder nach Schweinfurt, wo Paul Maar das naturwissenschaftliche Gymnasium besucht.

Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist nicht einfach. Der autoritäre Vater hat wenig Verständnis für die Interessen seines Sohnes, Lesen hält er für Zeitverschwendung. Paul Maar liest deswegen heimlich, indem er im Amerikahaus entliehene Bücher bei einem Freund deponiert. Autoren wie Thornton Wilder, William Faulkner und Ernest Hemingway begleiten ihn intensiv in seiner Jugend.

Während seiner Schulzeit wird Paul Maar oft von stärkeren Jungs drangsaliert oder gemobbt. Viele seiner Kindheitserfahrungen sind als autobiografische Anteile in seine Figuren eingeflossen. So ergeht es beispielsweise Martin Taschenbier (Ein Sams für Martin Taschenbier) mit den stärkeren Jungs ganz ähnlich, während sich Lippel (Lippels Traum) oft heimlich, von den Eltern unbemerkt, den geliebten Büchern widmet.

Schon in der Schulzeit steht für Paul Maar der Berufswunsch fest: Künstler. Beeinflusst vom Stil eines Künstlerporträts des Sängers und Schauspielers Aristide Bruant von Toulouse Lautrec kommt er ab der zehnten Klasse meist schwarz gekleidet, mit rotem Schal und schwarzem Hut in die Schule.

Neben der Leidenschaft für das Lesen nimmt zunehmend das Interesse für eine weitere Kunstform Raum ein: die Malerei. Seine Begabung für die bildende Kunst bleibt nicht lang unbemerkt. Für künstlerische Aufgaben jeglicher Art wird er vom Schulleiter gern mit den Worten „Lass das mal den Maar machen“ herangezogen. Gleichzeitig veröffentlicht Paul Maar Gedichte in der Schülerzeitung.

 
 

In der Abiturklasse lernt Paul Maar seine spätere Frau Nele Ballhaus kennen, die als einziges Mädchen das Jungengymnasium besucht.

Nach dem Abitur studiert er in Stuttgart Malerei und Kunstgeschichte. Während des Studiums schreibt er Gedichte und experimentelle Texte, zunächst für ein erwachsenes Publikum.

Paul Maar und Nele Ballhaus heiraten.

 
 

Erster schriftstellerischer Erfolg: Paul Maars Funkerzählung „Der Turm im See“ wird vom Süddeutschen Rundfunk produziert und ausgestrahlt.

Paul Maar, mittlerweile selbst Vater von drei Kindern, erlebt nun in der Vaterrolle eine Kindheit intensiv mit, die ganz anders als seine eigene ist. Ein unaufschiebbares Bedürfnis, versäumte Kinderliteratur nachzuholen, ist die Folge.

Das Studieren zahlreicher Klassiker, vor allem der amerikanischen Kinderliteratur, löst schließlich das Gefühl in ihm aus: „So etwas würde ich auch gerne mal machen!“ Paul Maar beginnt, für Kinder zu schreiben.

 
 

Paul Maars erstes Kinderbuch Der tätowierte Hund erscheint im Verlag Friedrich Oetinger.

Beinahe wäre es nicht zu einer Veröffentlichung gekommen. Paul Maar hatte in einem Gespräch mit dem Verleger Friedrich Oetinger angenommen, dass es, um sein Renomee als Autor zu erhöhen, klug sei, zu betonen, dass er sich selbst eigentlich als einen Schriftsteller für Erwachsene sehe. Friedrich Oetinger nahm daraufhin das Manuskript und gab es Paul Maar zurück mit den Worten: »Ich habe kein Interesse an einem Autor, der Kinderliteratur als Literatur zweiter Klasse betrachtet. Ich bringe Ihr Buch unter einer Bedingung heraus: dass Sie auch in Zukunft kontinuierlich für Kinder schreiben. Falls es Ihnen bei Ihrer Entscheidung hilft: Ich halte Sie für einen Autor, der durchaus zu einigen Hoffnungen Anlass gibt.«

 

Deutscher Jugendliteraturpreis, Auswahlliste für Der tätowierte Hund.

Paul Maars erstes Kindertheaterstück „Der König in der Kiste“ wird in Hamburg uraufgeführt.

Ebenfalls im Jahr 1970 liest Paul Maar erstmals auf der Jugendbuchwoche in Kiel. In den folgenden Jahren wird Paul Maar zu einer Art internationalem Aushängeschild für die Bundesrepublik werden: Das Goethe-Institut lud ihn bereits auf alle Kontinente zum Vorlesen ein: USA, Südamerika, Australien, Neuseeland, China.

 
 

Das zweite Theaterstück von Paul Maar, „Kikerikiste“, wird ein großer Erfolg. Das Stück wird schon im ersten Jahr mehr als zwanzig Mal inszeniert, danach auch im Ausland gespielt.

Heute ist Paul Maar einer der meistgespielten lebenden Theaterautoren in Deutschland.

Der erste Sams-Band Eine Woche voller Samstage erscheint, der Auftakt der erfolgreichen Reihe mit dem frechen Wunschpunkt-Wesen.

Das Buch wird so begeistert aufgenommen, dass sich Paul Maar entschließt weitere Bände zu schreiben. Es folgen im Laufe der Jahre:

Am Samstag kam das Sams zurück (1980)

Neue Punkte für das Sams (1992)

Ein Sams für Martin Taschenbier (1996)

Sams in Gefahr (2003)

Onkel Alwin und das Sams (2009)

Sams im Glück (2011).

Paul Maar 1973
 

Deutscher Jugendliteraturpreis, Auswahlliste für Eine Woche voller Samstage.

Nach ersten großen Erfolgen wagt Paul Maar den Sprung von einer sicheren Anstellung als Kunsterzieher in eine Existenz als freischaffender Autor und Illustrator.

Mit dem Jugendroman „Andere Kinder wohnen auch bei ihren Eltern“ zeigt Paul Maar, dass er sowohl phantastische als auch realistische Kinder- und Jugendbücher schreiben kann. In diesem Roman der „leisen Töne“ werden seine Jahre bei den Großeltern in einem mainfränkischen Dorf gespiegelt und aufgearbeitet.

Paul Maar 1976
Onkel Florians fliegender Flohmarkt

Deutscher Jugendliteraturpreis, Auswahlliste für Onkel Florians fliegender Flohmarkt.

Deutscher Jugendliteraturpreis, Auswahlliste für „Die Eisenbahn-Oma.“

Paul Maar 1980
 

Deutscher Jugendliteraturpreis, Auswahlliste für „Anne will ein Zwilling werden.“

Lippels Traum erscheint: die Geschichte des Jungen, der heimlich liest und schließlich, als ihm das Lesen von einer autoritären Haushälterin verboten wird, seine Geschichte in der Nacht weiterträumt.

Die autobiografisch gefärbte Geschichte beschreibt die Fähigkeit zum Träumen als wichtigen Rettungsanker in schwierigen Zeiten. Zugleich wird das Verhältnis von realem Erleben und dessen Verarbeitung im Traum reflektiert.

Lippels Traum
Paul Maar 1985

Deutscher Jugendliteraturpreis, Auswahlliste für Lippels Traum.

Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur für „Lippels Traum“.

Die Opodeldoks erscheint. Eine parabelhafte Erzählung über zwischenmenschliche Beziehungen, kindliche Wünsche und Träume sowie deren manchmal starre Begrenzung durch allzu festgefahrene Überzeugungen der Erwachsenen.

„Türme“ erscheint: in dem Sachbuch greift Paul Maar eine Idee aus seiner Hörfunkerzählung „Der Turm im See“ auf.

Großer Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur für das Gesamtwerk.

 
 

Deutscher Jugendliteraturpreis, Sparte Jugendsachbuch für „Türme.“

Der Jugendroman Kartoffelkäferzeiten erscheint. Der im selben Jahr von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnete Text enthält viele autobiografische Züge und zeichnet einfühlsam ein historisch genaues Bild der schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahre.

 
Bundesministerin Claudia Nolte, Paul Maar, Heidi Oetinger u. Verlegerin Silke Weitendorf auf der Buchmesse in Frankfurt 1996

Deutscher Jugendliteraturpreis, Sonderpreis für das Gesamtwerk.

Nominierung für die Hans-Christian-Andersen-Medaille.

Im selben Jahr wird die erste Paul-Maar-Schule eröffnet, eine Grundschule des Hochtaunuskreises in Bad Homburg bei Frankfurt/Main. Heute gibt es 14 Schulen und ein Kinderhaus mit dem Namen „Paul Maar“.

Paul Maar 1996
 

Paul Maar wird mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für besondere Verdienste um das Gemeinwohl ausgezeichnet.

In einem tiefen, dunklen Wald …, eine vielfach preisgekrönte Märchenerzählung und somit ein weiterer phantastischer Text von Paul Maar erscheint. Das Märchen überrascht mit einer besonderen Erzählstruktur; denn eigentlich werden zwei Märchen von zwei Prinzessinnen, die sich sowohl einem Untier als auch den eigenen Heiratsabsichten auf ausgesprochen unterschiedliche Weise nähern, erzählt.

 
 

Paul Maar erhält den E.T.A. Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg sowie den Friedrich-Rückert-Preis der Stadt Schweinfurt.

Die Verfilmung des ersten Sams-Bandes „Das Sams“ kommt in die Kinos. Schon im ersten Jahr hat der Film mehr als 1,3 Mio. Zuschauer. Regie führt Ben Verbong, das Drehbuch schreibt Paul Maar zusammen mit Ulrich Limmer.

Regisseur Ben Verbong und Hauptdarsteller Ulrich Noethen erhalten 2001 den Bayerischen Filmpreis

 
 

Das Sams bekommt den Deutschen Filmpreis in Gold. Eva Mattes wird als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.

Paul Maar macht sich im selben Jahr auch einen Namen als multimedialer Autor: Das Computerspiel „Eine Woche voller Samstage“ kommt auf den Markt.

Ein weiterer Sams-Band wird verfilmt: Sams in Gefahr. Regie führt wieder Ben Verbong, am Drehbuch arbeiten, ebenfalls zum zweiten Mal, Paul Maar und Ulrich Limmer.

Im gleichen Jahr erhält Paul Maar den Deutscher Bücherpreis für Sams in Gefahr.

 
 

Mit Herr Bello und das blaue Wunder hat Paul Maar, wie Jahre zuvor mit dem Sams, erneut eine gleichermaßen originelle wie attraktive Figur geschaffen. Es handelt sich um die Geschichte einer Vater-Sohn-Beziehung, die, wie viele Bücher Paul Maars, in der phantastischen Handlung auch eine psychologische Komponente in sich trägt.

Herr Bello und das blaue Wunder kommt in die Kinos. Wie schon bei den Sams-Filmen führt Ben Verbong die Regie, das Drehbuch ist von Paul Maar und Ulrich Limmer. Die Filmmusik komponiert Konstantin Wecker.

 
 

Paul Maar erhält den Deutschen Vorlesepreis für sein Gesamtwerk.

Am 18. Juni startet die „längste Vorlesestaffel der Welt“, eine Aktion des Deutschen Vorlesepreises und der Stiftung Lesen. An 100 Tagen wird in 100 Städten in Deutschland noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin am 26. September aus Onkel Alwin und das Sams vorgelesen.

Sehr erfolgreich wird ein weiteres Buch von Paul Maar verfilmt: Lippels Traum kommt 2009 in die Kinos. Regie führt Lars Büchel. Am Drehbuch arbeitet Paul Maar erneut zusammen mit Ulrich Limmer.

Für die Bildgestaltung erhält die Kamerafrau Jana Marsik den Bayerischen Filmpreis. Konstantin Wecker wird für die Filmmusik ausgezeichnet.

Das fliegende Kamel erscheint, eine der so genannten „morgenländischen Geschichten“ Paul Maars, in deren Zentrum der schelmische Nasreddin Hodscha steht, eine dem Till Eulenspiegel vergleichbare Sagenfigur der arabischen Welt.

Lippels Traum wird für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Auf dem 24. International Festival of Films for Children & Young Adults im Iran wird der Preis Golden Butterfly für das Beste Drehbuch an Paul Maar und Ulrich Limmer vergeben. Das Drehbuch wird für den Kindertiger 2010 nominiert.

 
Paul Maar 2011

Nominierung für den Astrid Lindgren Memorial Award 2012.

Nominierung für den Astrid Lindgren Memorial Award 2013.

Das Sams kommt zur Bundesgartenschau in Bamberg! Ein ganzes Gebiet des BuGa-Geländes ist dem Sams gewidmet. Es gibt dort Spielplätze und eine Villa Wunschpunkt inmitten des Blumen- und Pflanzenmeeres. In der Villa finden alle Kinderlesungen und Veranstaltungen für Kinder statt.

Nach fast 30 Jahren erlebt Lippel ein weiteres großes Abenteuer um Traum und Wirklichkeit in Lippel, träumst du schon wieder!.

Ein besonderes Geschenkbüchlein vom Sams erscheint: Da bin ich gespannt wie ein Gummiband. Die samsigsten Sprüche vom Sams.

Oetinger audio gratuliert Paul Maar mit dem Hörbuch Es hummelt eine Brumm. Geschichten vom Sams, Professor Monogrohm, dem Kater Traugott und anderen zum 75. Geburtstag.

Das Oetinger Taschenbuch feiert Paul Maar mit einem Taschenbuch-Schuber, in dem seine schönsten Kinderromane versammelt sind.

Das fliegende Kamel erscheint als Hörbuch in einer deutsch-türkischen musikalischen Lesung.

Der Film „Sams im Glück“, der im März in die Kinos kam, erscheint im Oktober auf DVD. Regie führte diesmal Peter Gersina, das Drehbuch schrieben Paul Maar und Ulrich Limmer. Auch das Schauspieler-Team rund um Ulrich Noethen als Herr Taschenbier und ChrisTine Urspruch als Sams war wieder mit von der Partie.

Paul Maar wird von der Fachstelle für das Öffentliche Bibliothekswesen in Tübingen mit einer großen Wanderausstellung rund um das Sams und Herrn Taschenbier geehrt. Die Ausstellung wird 2012/2013 in weiteren Bibliotheken in Baden-Württemberg zu sehen sein.

Am 13. Dezember 2012 wurde Paul Maar 75 Jahre alt!

Geburtstag