Der Drehbuchautor

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Paul Maar hat großen Spaß daran, Drehbücher für Film und Fernsehen zu schreiben. Oft ist er dann auch selbst vor Ort und begleitet die Dreharbeiten. Für ihn ergebe sich, wie er selbst sagt, das Schreiben von Drehbüchern teilweise „ganz organisch“ aus seiner Arbeit als Autor, denn immer wieder kommen Film und Fernsehen auf ihn zu und möchten eines seiner Kinderbücher oder -erzählungen verfilmen. Er schreibt aber nicht nur Drehbücher zu seinen eigenen Büchern, sondern auch für TV-Kindersendungen wie z.B. „Das Sandmännchen“.

Das war nicht immer so …

Paul Maar zur Geschichte des Sams-Films

„Im Lauf der letzten 20 Jahre gab es 24 Anfragen von Film- und Produktionsfirmen, die alle das Sams verfilmen wollten. Das es nicht dazu kam, lag an mir. Ich wehrte mich gegen eine Verfilmung.

Meine ablehnende Haltung hatte unterschiedliche Gründe. Zum einen hatte ich die Klagen von Autorenkollegen und –kolleginnen im Ohr, die fast alle von der Verfilmung ihrer Bücher enttäuscht waren. Ich fürchtete, der Film könne die Fantasie der Leser beschneiden, ihnen ihr Bild vom Sams rauben. Ich hatte auch Angst, ein von einem Kind gespieltes Sams würde unglaubwürdig, im schlimmsten Fall sogar lächerlich wirken. Man würde immer die aufgeklebte Rüsselnase sehen, die Figur würde wirken wie ein Kind, das sich im Fasching als Sams verkleidet hat.

Der 25. Produzent, der dann anfragte, war Ulrich Limmer, auch Drehbuchautor, der für „Schtonk“ sogar schon einmal für den Oscar nominiert worden war. Limmer war mir auf Anhieb sympathisch, hatte die Sams-Bücher seinem Sohn zum wiederholten Mal vorgelesen, liebte sie, wie er glaubhaft versicherte, und schaffte es, das ich mich zögernd auf den Gedanken einließ, es könne vielleicht doch eine Verfilmung geben.

Was mich gleich für ihn einnahm, war seine Antwort auf meine Frage, wer denn seiner Meinung nach die Hauptperson im geplanten Film sein werde: nicht etwa das Sams, sondern Herr Taschenbier. Das entsprach meinen Vorstellungen. Für eine Geschichte und noch mehr für einen Film ist es wichtig, dass die Hauptfigur eine Entwicklung durchmacht, dass sie am Ende des Films anders ist als zu Beginn. Das kann man nur bei der Figur des schüchternen Taschenbier zeigen, der am Schluss über sich selbst hinauswächst, sein Ängste überwindet und es sogar schafft, eine andere Mensche, Frau März, für sich zu gewinnen.

Ulrich Limmer zerstreute auch meine Ängste, was das Aussehen der Sams-Figur im Film anbelangte. Er versicherte mir, dass die Maskentechnik in den letzten zehn Jahren enorme Fortschritte gemachte habe und dass er den besten europäischen Maskenbildern, Waldemar Prokoromski, engagieren werde. Als ich dann auch noch ausgehandelt hatte, dass im Filmvertrag festgehalten wird, dass ich selbst das Drehbuch schreibe und ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Schauspieler und des Regisseurs habe, ließ ich mich auf das Abenteuer Film ein und unterschrieb.

Im Lauf der Drehbucharbeit stellt sich dann heraus, dass aus einer der geplanten Supervison durch Ulrich Limmer ein echte Zusammenarbeite wurde. Wir schrieben das Drehbuch gemeinsam, schrieben später auch zusammen das Drehbuch für einen zweiten Sams-Film, „Sams in Gefahr“, haben zusammen ein drittes und ein viertes Filmdrehbuch verfasst („Herr Bello“ und „Lippels Traum“) und sind gerade dabei, ein viertes gemeinsames Drehbuch anzugehen, nämlich „Lippels Traum“.”

(Paul Maar aus: „Vom Lesen und Schreiben. Reden und Aufsätze zur Kinderliteratur“)

Filme

2000: Das Sams

2003: Sams in Gefahr

2012: Sams im Glück

2009: Lippels Traum

2007: Herr Bello

DVDs